Grafschaft Glatz > Humor und Mundart

Die Mundart der Grafschaft Glatz (Schlesien)

Heimatliche Tonträger
Unsere Mundart soll nicht sterben!

Die Sprache eines Volkes, eines Volksstammes, ist das wesentlichste Merkmal seines Volkstums. In ihr zeigen sich Herkunft, Wesen und Eigenart noch deutlicher als in seinen Sitten und Bräuchen, zeigt sich die Seele des Volkes.
Die Mundart der Menschen der Grafschaft Glatz ist eigenständig. Sie unterscheidet sich wesentlich von den Mundarten der übrigen schlesischen Stämme. In ihr zeigt sich das Grafschafter Volk, denn zwischen Mundart, Volksgeist und Volkstum bestehen wesentliche Verbindungen.

Alois Bartsch, 1979

 

An dieser Stelle wird seit Ende November 1999 das „Gedicht des Monats“ veröffentlicht.
Hier ist monatlich ein neues Gedicht in Mundart oder auf Hochdeutsch zu lesen.

 

Die bisher an dieser Stelle als „Gedicht des Monats“ veröffentlichten Verse von Erhard Gertler u.a. können Sie im
Archiv der Gedichte
lesen.

 

 

Anfang Oktober 2009 erscheint an dieser Stelle als Gedicht des Monats:
Der Pforr“ von Max Volkmer (in der Mundart der Grafschaft Glatz)
und „Eischärrn“ von Erhard Gertler (in der Mundart der Grafschaft Glatz).

 

Benutzerdefinierte Suche

 

Gedichte des Monats September 2009

 

Der Spritzamääster

Mich hoan se fier a Feuerschutz
Eim Darfe eigesotzt
Schon viele Joahre. Jedes wäß's:
Dorch mich ward nischt verpotzt . . .

Ich bien gewessahoft goar sähr
On mach' mei Sache gutt;
Doß oalls ei bester Ordnung bleit,
Doo bien ich of der Hutt.

Ich sah zum Rechta ieweroal
Eim Spritzahause - gell! -
Denn, wenn's amool a Feuer hoot,
Doo gieht's goar roasnich schnell . . .

Doo muuß ma baale flink zer Hand
Sei ganzes Läschzeug hoan
On äne Monnschoft, stroamm geschult,
Die ma gebraucha koan . . .

Joo, wenn oalls kloppt, ich koan's euch sään,
Tutt's Feuer glei vergiehn,
On jedes koan beruhicht dann
Of häämzu wieder ziehn.

Nie woahr, ihr gatt mer oalle recht,
Doas wääß ich ganz gewieß: -
Es ies schon gutt, wenn of'm Domm
Der Spritzamääster ies . . .

Max Volkmer


Gräberschwund

Gräberschwund,
Stund für Stund. -
Natürlich macht die Weltgeschichte,
Gegenwart gar schnell zu Nichte.

Doch, wenn keiner nimmer weiß,
Wo der Ahne, wo der Greis,
Einstmals seine Ruhstatt fand,
Ist es traurig für ein Land!

Wie soll er das Heute finden?
Wie sich an die Zukunft binden?
Wenn er weiß, kurz ist die Zeit, -
Ich ward schnell von ihr befreit. -

Brauche nicht an Morgen denken,
Meine Knochen nicht verrenken,
Zukunft ist ein fahles Wort,
- Liegt in einem andren Ort. -

Laßt es doch die And'ren machen,
Die, die über's Heute lachen.
Ich bin jetzt, und ich bin hier!!!!
Bin ich Mensch? Oder gar Tier????

Wo ist meines Daseins Mitte?
Mensch, denk nach! Doch einmal bitte!
Scheinbar weiß Du selber nicht,
Wo Dein Daseins Ende bricht?

Erhard Gertler

 


 

Gedichte des Monats August 2009

 

Der Schiedsmoan

Vo oalla Ämtan - haart mer zu! -
Hoa ich derwescht woll 's schlechste,
Denn bei am Postla, wie bei mem,
Schier jedem recht gaan mechste . . .

Doo kommt die Kriebschen on verkläät
Die Zänkern - 's ies a Macha! -
On häärscht'r dann die andre oa,
Senn beede schold - die Tracha!

Doas ies a Konst dernoochte - gell! -
A Mettelwääg zu fenda
Ei daam verstreckta Wirrwarr, dar
Sich hoot gehäuft vo Senda.

Ma hoot doo ofte 'n schwäära Stand,
Sich emmer dorchzusetza,
On mecht, wie sella Weiwer aa,
Sich gutt a Schnoabel wetza . . .

Doch - 's stieht mei Protokollbuch schon
Recht vuul vo Streitichkeita,
Die ich ei meiner Omtszeit hoa
Beseiticht onder a Leita.

Ich bräng se schon zusomma - hm! -
Wenn se aa toll sich beißa,
Denn: waos a rechtjer Schiedsmoan ies,
Dar tutt doas Deng schon schmeißa . . .

Max Volkmer


Jeansmode

Wie schnell siech hoite oalles wandelt,
Folls wenn siechs em die Mode handelt.
Zom Beispiel met daan  J e a n s  hoite,
Die enga Denger! - Nä, Ihr Loite!

Doo siit ma moanche Stäcklabääne,
Die laafa schier vu ganz allääne.
Es woar doch eigentliech ganz schien,
Ei Knickebockarn remmzogiehn.

Die sogenannta Äppelstahler,
Doo oabzoschoaffa war a Fahler.
Kunnt se a moancher goar nee leida.
Die toata doch ons Männer kleida!

Der Moan kunde met Woada protza,
A bieser Wend kä Note plotza,
Ägal, vu wu a doo toat bloosa,
A hotte Plotz ei Pluderhoosa.

Die därra Schenkel woarn verstackt,
On oalles loftiech eigepackt.
Hoit met daan Jeans ies doas verbei,
Doo kriecht ma kamm änn Oappel nei.

Der Schnapper boilt a Hendarn aus,
Poast ma nee uuf, klaut ma an raus,
Die Toasche doo oam Hendervärtel,
Die setzt ganz noahnde onderm Gärtel.

On langt ma amoal henda hie,
Doo tun ämm glei die Fenger wie.
Doas Taschla doas ies viel zo schmoal,
Datt nei zo packa ies nee Quoal.

Es sool halt oalls schien enge sein,
's neifoahrn wird äm goar zor Pein!
Doas äänzich schiene ies halt doas,
Ma sitt hoit bei a Weibarn woas.

Erhard Gertler

 


 

WEITER

Gedichte und Verse unserer Leser in Grafschafter Mundart und Hochdeutsch:

  • Franz Geisler
  • Thea Maria Jürgens, geb. Welzel
  • Wilhelm Schimmel
  • Max Wanschura
  • Adelheid Lehrig, geb. Kinzel
Stand: 13.08.2003

 


 

Von Erhard Gertler wurden bisher die folgenden Verse von Wilhelm Busch
Wilhelm Busch-Selbstbildnis
Wilhelm Busch-Autogramm
in die Mundart der Grafschaft Glatz übertragen:

 


 

Mundart und Volkstum in der Grafschaft Glatz

Sprichwörtlich geworden ist die Gutmütigkeit und Gemütlichkeit des Grafschafters. Nicht ohne Humor benützte er früher auch in der kälteren Jahreszeit als Nachtlagerstätte häufig den in manchen Häusern vorhandenen Backofen, zu dem auf der Stubenseite drei Stufen führten. Der Backofen blieb in der Nachtnach dem Brotbacken frei und auch, wenn man das warme Plätzchen dem Hühnervolk überließ, das auf den „Höllastifflan“ hinausstieg. In still besinnlicher Familienrunde quälten quecksilbrige Kinder Mutter und Vater um Abzählverse und Spielreime, Scherz- und Spottliedchen. Der Humor der Kinder, um so zwerchfellerschütternder, je unfreiwilliger er ist.
Federnschleißen und die gemütlichen Rockagänge (Spinnstuben) gehören seit Jahrzehnten der Vergangenheit an. Kirmes, Fastnacht und Johannesnacht boten hochgestimmten Seelen bis zur Vertreibung Gelegenheit zu Äußerungen närrischer Eigenheiten. Zu den Gelegenheiten, bei denen die „Moannsmer“ (Männer) mundartliche Anekdoten erzählten und Späße machten, gehörte auch das „Woalflääschassa“ (Wellfleischessen). Hier handelte es sich aber weder um verschmitztes Lächeln und heimliches Blitzen aus dem Augenwinkeln, noch um grobe Scherze mit derben Worten. Die gesättigten Gäste aus der „Freindschoaft“ sprachen ihr „Pauersch“ mit dem köstlichen und feinen Humor, der die Unterhaltung durchzieht. Bei einem Wünschelburger Korn oder einem Schüttbodenkümmel äußerten sie sich in einer Mischung von tiefem Ernst und mildem Scherz über die Verhältnisse in der Gemeinde. In ihrer Berufsliebe sprachen sie am liebsten über reine Berufsangelegenheiten: Die Landwirte redeten „Vo der Wertschoaft, vom Kieh- on Schweinestoalle“. Nicht ohne feine Selbstverspottung gaben sich die Leute gegenseitige Anregungen. Kam die Rede auf die Errungenschaften moderner Kultur zu sprechen, wurde wohl der Satz hörbar: „Die Aala worn aa käne tomma Leute!“ Dieser Ehrfurcht gegen die Überlieferung ging die Ehrfurcht vor Gott und den Menschen voran. Nie aber fehlte der Wirklichkeitssinn, ob man nun von einem Mannweibe sagte: „Die delle hoot die Hosa oa!“ oder sprichwörtliche Redewendungen gebrauchte: „Arbt ma' schmeckt 's Assa!“, „Koop kiehl on Fisse warm, macht a besta Dokter arm!“, „Sonnticharbt brängt känn Sääjen!“ Die Volkssprache ist reich an Einzelbezeichnungen und besitzt eine Fülle von Sprachbildern. Der Grafschafter „weint“ nicht, „a flärrt, a flennt, a fluutscht, a hoilt, a noatscht, a macht a Gesetzla, a macht 'n Zeeker, die Träpplan kaula“ usw. - „Nä, woas bloß die Muttersprooche macht: De fiehrt ons hääm, derzehlt on lacht!“ (Robert Karger). Der natürliche und ungezwungene Mundartsprecher liebt Fremdwörter nicht. Er nennt sie „täälsche Wäärter“ (verrückte, unnormale). An ihrer Stelle verwendet er nach Möglichkeit bodenständige Ausdrücke: „Oarechta“ statt reparieren, „sich oabnahma bon“ statt photographieren, „rausschloon“ statt profitieren. Man läßt sich „a Boart wegtun“ (Rasieren), „a tutt ärre reda“ statt phantasieren.
In der Glatzer Mundart und den sprichwörtlichen Redewendungen haben die Beziehungen zwischen der äußeren Natur und dem Bewußtsein der Grafschafter ihren Niederschlag gefunden. Wenn auch regerer Verkehr und neuzeitliche Wirtschaftsverhältnisse das Maß der Naturgebundenheit der Bewohner der Grafschaft mancherorts herabminderten, so konnte man bis zur Vertreibung noch immer die Beobachtung machen, daß die Landbewohner innig mit der Natur lebten.
Am „Järjetag“, dem Tag des hl. Georg (23. April) begann einst die Pflicht des Bauern, den Knechten und Mägden ein besonderes Vesperbrot zu reichen: „Järjetag brängt a Vaschpersaak!“ Die Verpflichtung erlosch am 8. September: „Maria Gebort träät a wieder fort!“ „Zu Maria Gebort ziehn de Schwolba fort.“ Ins Frühjahr fielen die Maiandachten und die Bittage mit ihren Marienliedern, Litaneien und Prozessionen. - „Zu Pfingsta sein die Madlan om schinnsta!“ deutet das Sprichwort die hellen Kleider und den Frohsinn der Mädchen in der Frühlingsnatur. Zwischen Heu- und Getreideernte machten viele Leute eine „Wullfoahrt“, of Olbendrof, ei de Woarthe, of a Stachelbarg, of Maria Schnee. Wie tief der Tag des hl. Johannes des Täufers und die Zeit der Sommersonnenwende im Bewußtsein der Grafschafter verwurzelt waren, verrieten nicht nur die immer von neuem genährten „Johoannstichfeuer“ am Abend des 23. Juni, sondern auch der Sprachgebrauch „zu Johoanne“ statt der Kalenderangabe „zum 1. Juli“.
Im Volksbewußtsein verwurzelt war auch der Michaelstag (29. September). Die Zinsen mußten zu „Micheele“ gezahlt werden bedeutete „zum 1. Oktober“. Die Kinder sangen im Herbst zwar in der Schule „Näher rückt die trübe Zeit“, aber die reifen Früchte der Obstbäume ließen im Kindergemüt keine Wehmut aufkommen, ebensowenig die beim Kühehüten zwischen zwei oder drei Hütejungen benachbarter Felder gesungenen Wechselgesänge. Die wirklich echte Herbststimmung spürten sie erst, wenn das von Naturfreude umsäumte Viehhüten im Herbste aufhörte.
Die Winterszeit mit ihren schlimmen Wegeverhältnissen, ihrer bitteren Kälte, ihren geringen Verdienstmöglichkeiten lag schwer auf dem Gemüt des kleinen Mannes. Die Kinder wurden ermahnt, nicht ohne „Schaultichlan“ in die Kälte hinauszulaufen, „die Potscha“ anzuziehen, nicht „eim Jackla Schleppian oder Schlieta zu foahrn“. Viel vom Winterleid und der Winterqual wurde durch die religiösen Einwirkungen der „Roratemessen“, der „Christnacht, der Jahresschlußandacht, den Dreiköniggottesdiensten, des Vorfrühlingsfestes Maria Lichtmeß“ aus dem Gemüte der Dorfbewohner herausgenommen. Daß die Kinder im rauhen Grafschafter Winter fröhlich und heiter blieben, dafür sorgten u.a. der „Neckelstag“ und das Weihnachtsfest mit ihren Vor- und Nachfreuden.
Der Ablauf der Tageszeiten hat in der Volkssprache ebenfalls seinen Niederschlag erhalten. Der Morgen, Mittag und Abend waren im Volksbewußtsein mit dem Läuten der Kirchenglocken zu diesen Tageszeiten, dem „Aveläuten“ verbunden. „Em 's Marjalätta“ mußten schon die ersten Arbeiten auf dem Dorfe verrichtet werden. „De lätta Mettich!“ lautete die Ankündigung der Mittagszeit, die zur Mahlzeit und zu einer kurzen Mittagsruhe einlud. „Em's Oomdlätta“ ging man vom Felde heim, und es trat allmählich der Abendfrieden in seine Rechte.
Diese Tageszeiten wurden auch im Gruß verwendet. Man grüßte „Guda Marja!“, „Guda Mettich!“, „Guda Oomd!“ Doch verwendeten auch die jüngeren Dorfbewohner schon vielfach die hochdeutschen Grußformen: „Guten Morgen!“, „Guten Tag!“, „Guten Abend!“. Auch die Begrüßung mit „Grüß Gott!“ war immer öfter zu hören.
Bei der Naturverbundenheit, die dem Grafschafter noch eigen war, kam die Wertschätzung der Gesundheit und die Furcht vor Erkrankung auch in den mundartlichen Redensarten zum Ausdruck. Ging jemand am Abend heim, verabschiedete er sich mit den Worten: „Schlooft ock olle gesond!“ oder „Bleit mer ock ei Goots Noama!“, „Labt mer ock olle gesond!“ - „Ar ies nee recht monter!“ bedeutete: Er kränkelt. „Nä, ar gefällt mer goar nee!“
Für die tieferen Zusammenhänge der leiblichen Gesundheit mit dem Seelenleben hat der Grafschafter viel Verständnis, wofür u.a. auch die vielen Votivtafeln in den Wallfahrtskirchen zu Albendorf und Maria Schnee zeugen. Wenn jemand erkrankt, wird möglichst bald „nooch 'm Dokter on nooch 'm ‚Pfoarr‛ gescheckt“. In leichten Fällen holte man sich Rat „bei a Schwestan“. Bei Arm- und Beinbrüchen ging man zum „Schäfer“. Wie die Krankheit als Heimsuchung Gottes angesehen wird und die Gesundheit als Geschenk der Vorsehung, geht aus der Redewendung hervor: „Onser Herrgott watt 's wessa, warom!“
Das Werk der leiblichen Barmherzigkeit „die Kranken besuchen“ wurde in der Grafschaft Glatz fleißig ausgeübt. Man ging zur „Freindschoaft“. Viel Bedeutung wurde dem Verhältnis von Pate und Patenkind beigelegt. Die Kinder wurden angehalten, die Paten mit „Pat' Heinrich“, „Gersch-Pate“, „Kleine (Frau) Pate“ oder „Gruße (Mann) Pate“ anzureden. Die Patenkinder wurden von ihren Paten z.B. durch die Anrede „Pat Annla“ ausgezeichnet. Die mundartliche Bezeichnung „Grula“ wurde zu „Großmutter“. Die heutige Bezeichnung „Oma“ war ganz selten. Der Bruder des Vaters oder der Mutter hieß „Vetter“; die Schwester der Mutter oder des Vaters, die Tante, hieß wohl noch in den Sommersonntagsliedern „Muhme“. „Mer sein rechte Geschwesterkender“ sagten Vettern und Basen einst. Das Wort Base war aus der Biblischen Geschichte bekannt. Die Ausdrücke „Kusin“ und „Kusine“ traten an die Stelle des absterbenden Sprachgutes. Die Kinder der Geschwisterkinder waren „andere Geschwesterkender“. Zum absterbenden Sprachgut gehörten auch die Verwandtschaftsbezeichnungen „Brudersch Suhn“ oder „Brudersch Mädla“, „der Schwaster Jengla“ für die hochdeutschen Ausdrücke Neffe und Nichte.

aus: „Die Mundart der Grafschaft Glatz“ von Alois Bartsch, 1980

 

Die Mundart der Grafschaft Glatz

Heilje Muttersprooche: Oa dänn Klänga
Wäll mer ons begeistrn emmerzu.
Klengst wie Kärchtoarmglocka, wenn se lätta,
Nooch dr Arbt zu steiler Sonntichruh.

Robert Karger

In dem Glatzer Land herrschte eine besonders ausgeprägte Mundart. Sie ist geformt durch die Herkunft der mittelalterlichen Siedler und durch die Topographie des Landes, seine Abgeschlossenheit durch die hohen, bewaldeten Randberge. Sie ist scharf abgegrenzt von den übrigen schlesischen Mundarten.
Die Siedler brachten in der Mehrzahl nicht die originalen Stammes-Mundarten mit (Fränkisch oder Thüringisch usw.), sondern bereits eine Misch-Mundart zwischen Thüringisch und Ostfränkisch, die sich in der Zwischenzeit auf dem Wege nach dem Osten, nach dem Glatzer Land ausgebildet hatte; also einen Ausgleich der mitgebrachten Einzelmundarten.
Die schlesische Mundart und mit ihr die Glatzer gehört zu den mitteldeutschen Mundarten, die den Übergang zwischen den oberdeutschen Mundarten (Alemannisch, Schwäbisch, Bayerisch-Österreichisch) und den niederdeutschen (Niederfränkisch, Niedersächsisch-Niederländisch) bilden. Einflüsse slawischer Sprachen sind sehr gering. Die Mundart wurde bereichert durch den Wortschatz der verschiedenen Berufe. Sie ist kein „verderbtes Deutsch“, sondern die eigentliche Muttersprache. Es gibt Unterschiede zwischen Nord- und Südglätzisch. Diese werden von einigen Autoren auf die verschiedenen Zeiten der Besiedlung zurückgeführt, was aber Friedrich Graebisch, der sich viele Verdienste um die Mundart erworben hat, abgelehnt hat. Er schreibt die Unterschiede vielmehr dem Einfluß der nordmährischen Nachbarmundart zu, die einen stärkeren ostfränkischen Einfluß aufweist.

Beispiele:

Schriftdeutsch

Nordglätzisch

Südglätzisch

Heimat

Häämte

Haimte (a-i)

kleines

kläänes

klaines

Häuschen

Häusla

Hoisla

kleiner Wagen

kläänes Wäänla

klaines Woinla

Steine

Stääne

Staine

er hat gesagt

a hoot gesäät

a hoot gesoit

ausgezogen

ausgezään

ausgezoin

allein

allääne

alleine

am Wege

om Wääche (Wääje)

om Waiche (Waija)

Während in der Schriftsprache im allgemeinen ein Begriff mit einem Wort wiedergegeben wird, gibt es in der Glatzer Mundart vielerlei Ausdrücke dafür. So z.B. „weint“ der Grafschafter nicht, sondern „a flärrt, a flennt, a fluutscht, a hoilt, a noatscht, a macht a Gesechtla, a macht'n Zeker, die Träppla kaula“ usw.
Friedrich Graebisch hat in seiner Arbeit „Die Mundart der Grafschaft Glatz und ihrer böhmischen Nachbargebiete“ (1920) die Regeln und Grundsätze für die Schreibart der Glatzer Mundart niedergelegt.

Onse Muttersprooche woar schonn doo
eh nooch jihmand droa doocht, herrsch zu reda.
's ies a aaler treubehutter Schoatz,
ieber oallem erdscha Reichtum steht a.
Stehst eim Hatze drenne gutt verwoahrt,
Muttersprooche, heil'jes Mutterwoart.

Robert Karger.

aus: „Landeskunde der Grafschaft Glatz“ von Aloys Bernatzky, 1988

 

Literaturhinweise

Mundart der Grafschaft Glatz

Wörterbuch
Mundart der
Grafschaft Glatz
Schlesien

Pauersch laasa
Pauersch lanna
Pauersch verstihn
Doas iis schinn

304 Seiten, 7.785 Stichwörter, DIN A 5-Format,
fester Einband mit Leinen-Überzug.

Landeskunde der Grafschaft Glatz

Landeskunde der Grafschaft Glatz
von Aloys Bernatzky

Auf 200 Seiten mit 160 Abbildungen faßt der Autor alles Wissenswerte über die Grafschaft Glatz zusammen. Ein Abriß der Geschichte der Grafschaft Glatz rundet das Werk ab. 2. Auflage.

Die beiden Bücher können Sie bestellen bei:
Verlag „Grafschafter Bote/MARX-Verlag
NEU! Friedhofstraße 3, 58507 Lüdenscheid
Tel. (0 23 51) 86 00 44, Fax (0 23 51) 86 00 11

 

- Anzeige -

Angebot von heimatlichen Tonträgern

Ein heimatliches Geschenk, mit dem Sie Freude bereiten

Ab sofort: Sonderpreise

 

Aus der Reihe „Grofschoafters Häämte“ sind folgende Tonträger erhätlich:

 

1. Mundartplatte „Durch's Glatzer Land“

Langspielplattenalbum (2 LP)

je 15,00 € (EUR) vergriffen

2. Marienlieder

Langspielplatte (LP)

je 11,00 € (EUR) je 3,00 € (EUR)

3. Weihnachta ei der Grofschoaft Glootz

Langspielplattenalbum (2 LP)

je 15,00 € (EUR) je 6,00 € (EUR)

MC (2 Kassetten)

je 15,00 € (EUR) je 6,00 € (EUR)

4. Der narrsche Grofschoafter

Langspielplatte (LP)

je 11,00 € (EUR) je 3,00 € (EUR)

MC

je 11,00 € (EUR) vergriffen

 

Bei Postversand fallen zusätzliche Porto- und Versandkosten an.

 

Unsere Mundart soll nicht sterben!

 

Bitte bestellen Sie die gewünschten Tonträger mit Angabe Ihrer Personalien bei:
Herrn Erhard Gertler, Höpker-Aschoff-Weg 24, D-32052 Herford
Für Rückfragen: Tel. (0 52 21) 7 17 91 (international: +49 - 52 21 - 7 17 91)
E-Mail: EGertler (at) web.de

Für Ihre Bestellung verwenden Sie bitte das folgende Bestellformular:

PDF-Formular Bestellformular für Tonträger

 

 

Zur Homepage Zurück zur Homepage

 

Nähere Informationen über diese Internetseite erhalten Sie von Dipl.-Ing. Christian Drescher per Kontakt-Formular

 

© 1999-2011 by Dipl.-Ing. Christian Drescher, Wendeburg-Zweidorf, Kontakt: Feedback-Formular.
Testversion vom 17.10.1999, erste Version vom 11.11.1999, letzte Aktualisierung am 31.12.2011.