Reisen in die Grafschaft Glatz (Schlesien)

Sehenswürdigkeiten

Die Bärenhöhle in Klessengrund

 

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DIE BÄRENHÖHLE ZU KLESSENGRUND (KLETNO)

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Der Erfindungsreichtum der Natur zeigt sich in großer Vielfalt bis tief unter die Erdoberfläche. Die Bärenhöhle in Klessengrund (Kletno) ist ein derartiges Beispiel mit einem besonderen ästhetischen und wissenschaftlichen Wert.
Entdeckt wurde die Höhle in September 1966 bei Arbeiten im Marmorsteinbruch Klessengrund (Kletno) III nahe Seitenberg (Stronie Śląskie). Marmor oder kristallines Kalziumkarbonat stellt das natürliche Material dar, aus welchem die Höhle durch das Wasser ausgewaschen wurde. Ein System von Schächten, Kaminen, Korridoren und Kammern in drei Schichten mit einer Gesamtlänge von mehr als 2 km Länge wurde geschaffen. In der langen Geschichte der Höhle arbeitete das Wasser jedoch nicht nur abtragend, sondern ebenfalls ablagernd in Form von Tropfsteinen, die in vielfältigsten Formen in der Höhle zu finden sind.

In den aufeinander folgenden Eiszeitperioden, wenn das Klima durch das von Norden vorrückende Eis rauher und rauher wurde, lebten hier eiszeitliche Tiere. Die Knochenreste dieser Tiere, die sich häufig in den Ablagerungen befinden, zeugen davon. Am häufigsten in dieser Zeit war der Höhlenbär (Ursus spleaus), von welchem die Höhle ihren Namen erhielt. Man findet ebenfalls die Reste von Höhlenlöwen (Panthera spelaea) einem gefährlichen Fleischfresser, welcher, wie auch der Höhlenbär am Ende der letzten Eiszeit aus der Höhle verschwand. Weiterhin lebte hier auch die Höhlenhyäne (Crocuta spelaea). Von ihr glaubte man lange, daß sie die Leichen gestorbener Tiere in die Höhle geschleppt habe, was die gewaltige Menge gefundener Knochen erklären würde. Diese Meinung hat sich als Legende herausgestellt. Vielmehr weiß man jetzt, daß dieses Tier ein Aasfresser und ein nächtlicher Gruppenjäger war. Knochenreste wurden des weiteren von vielen anderen Arten wie Braunbär, Wolf, Fuchs, Dachs, Rehbock und Hirsch gefunden. Häufig trifft man auch auf die Reste von Fledermäusen, die hier auch heute noch leben, von Waldmardern und von Bergspitzmäusen.

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Vor dem Eingang zur Höhle entstand ein Pavillon mit einer ständigen Ausstellung. Zu besichtigen ist die Höhle in Gruppen zu 15 Personen unter fachkundiger Führung. Taschen, Stöcke, Schirme und Fotoapparate sind an der Garderobe zu deponieren. Beim Betreten der Höhle ist die aushängende Höhlenordnung einzuhalten und den Weisungen des Personals Folge zu leisten. In der Höhle ist es feucht und kalt (5 C), das Wasser tropft als "Höhlenregen" von den Decken, darum bedarf es einer entsprechend festen Kleidung. Kindern im Vorschulalter wird der Besuch der Höhle nicht empfohlen. Angst oder fehlende Konzentration für 45 - 55 Minuten Dauer der Führung zwingen nicht selten zum vorzeitigen Abbruch. Vor dem Betreten der Höhle durchschreitet die Gruppe eine Schleuse, welche zur Aufrechterhaltung des Mikroklimas dient.
Nach Passieren der eisernen Eingangstür gelangt man in den Eingangskorridor, dessen obere Kanten durch eine Brücke verbunden sind. Von dieser Brücke sieht man in den älteren unteren Breslauer Teil und ihm gegenüber in den jüngeren Teil, den größten Abschnitt der Höhle, welcher für den Tourismus aus technischen und Gründen des Naturschutzes gesperrt ist, hinunter.

Der nächste Beobachtungspunkt auf der touristischen Strecke ist der Reisfeldhang und der darüber liegende Saal. Häufig trifft man hier auf wirbellose Tiere, die durch Poren im Gestein von der Erdoberfläche in diese Kammer gelangen. Das sind Spinnen, Köcherfliegen, Zweiflügler und Nachtfalter. Bis zur touristischen Erschließung der Höhle gab es in diesem Saal auch Fledermäuse. Von dem Reisfeldhang geht ein Korridor steil in den Saal der Höhlenlöwen hinunter. Auf dem Boden dieser Kammer befinden sich Ablagerungen den letzten Eiszeit. Diese Ablagerungen kamen aus den oberen Teilen der Höhle in Schlammströmen durch den Saal der Höhlenlöwen bis in die tiefsten Regionen. Verschiedenste Knochen der bereits beschriebenen Tiere befinden sich in den Ablagerungen.

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Auf den Ablagerungen gelangt man über Treppen und Gänge durch den Marderstall in einen großen Korridor gotischen Querschnitts. Die ersten Entdecker fanden auf dem Boden zahlreiche Steinringe, welche sie für Feuerstellen urzeitlicher Menschen hielten. Der Korridor erhielt darum auch den Namen Korridor des Urmenschen. Längst wurde der Frost als Ursache für die polygonalen Oberflächenstrukturen erkennt; der ursprüngliche Name wurde jedoch beibehalten. Rechtwinklig zum Korridor des Urmenschen verläuft ein horizontaler Korridor mit mäanderförmigen Dämmen auf dem Boden, durch welche kleinere und größere Becken eingeschlossen werden. Dieser Sinterbeckenkorridor führt in den Palastsaal. Die tourstische Strecke jedoch wird durch einen künstlichen Stollen in den Stalaktitenkorridor geleitet. An der Decke und auf dem Boden dieses Saals zeigen sich den Touristen zahl- und formenreiche Tropfsteine. Von der Decke hängen Stalaktiten - ähnlich dünnen durchscheinenden "Nudeln", Zapfen oder "gerafften Gardinen". Vom Boden wachsen diesen die Stalagmiten in phantasievollen Formen entgegen. An den Wänden befinden sich kaskadenförmige Tropfsteinablagerungen mit zum Boden größer werdenden Sinterbecken.

Im gesamten Palastsaal ist eine derart reiche Tropfsteingestaltung zu bewundern. Von einen Beobachtungspodest am Ende des Palastsaals sieht man nun auf die Große Kaskade. Diese stellt sich in Form eines in "gerippte Gardinen" gefaßten "Wasserfalles" dar. Nach unten verjüngt sie sich und geht in zahlreiche Stalaktiten über. Die Gesamthöhe beträgt 8 Meter. Über die Kaskade hinweg sieht man in den höchsten, ebenfalls Tropfsteine enthaltenden Teil der Höhle.
Eine besondere Sehenswürdigkeit sind die "lebenden" Sinterbecken, in welchen unter der Wasseroberfläche die Kalzitkristallisation beobachtet werden kann. Das Ergebnis dieser Kristallisation sind Kransen am Stalagmiten oder auch "Pilze", "Igel" und "Bürsten". Der Heliktitensack ist die nächste Station auf der touristischen Strecke. Die Bezeichnung dieses Raumes resultiert aus exzentrischen, gedrehten und verzweigten Stalaktiten, wie sie hier beobachtet werden. Rechter Hand sieht man den bereits beschriebenen Sinterbeckenkorridor. Durch den Wasserkorridor verläßt man den Palastsaal, und durch ein künstliches Tor erreicht man das andere Ende des Urmenschenkorridors. Von hier gelangt man durch eine Schleuse wieder in die Welt des Geruches und der Laute, von welcher man für die Dauer der Besichtigung des Inneren des Berges abgeschlossen war.

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INFORMATION ZUR BÄRENHÖHLE
Die Bärenhöhle, die größte Höhle des Sudetengebirges, befindet sich im Glatzer Bergland (Ziemia Kłodzka) in Massiv des Glatzer Schneeberges (Śnieżnik Kłodzki) im Klessengrunder Tal (Kletno) an den Hängen der Riemer-Koppe (Stroma) (1166 m ü. NN). Der Eingang befindet sich in 793 m Höhe etwa 18 m über dem Talgrund. Die Höhle besteht aus drei Stufen, von denen die mittlere für die Touristen zugänglich ist. Die Gesamtlänge beträgt ca. 2 km. Seit 1977 ist die Höhle und ihre Umgebung als Naturschutzgebiet geschützt.

Anfahrtskizze

© Wydawnictwo ZET® Wroclaw 2001
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Zdjecia: M. Trzeciakowski, J. Piasecki, T. Szarski
ISBN: 83-86736-86-0

(entnommen aus dem Bild-Leporello "Jaskinia Niedźwiedzia" in polnischer, englischer und deutscher Sprache)

 


 

 

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Erste Version vom 20.07.2002, letzte Aktualisierung am 07.08.2004.