![]()
25.12.2003
|
Das Rathaus von Glatz
Zur Stadtgeschichte Glatz ist die Hauptstadt des Glatzer Landes, das seit 1459 Grafschaft ist und bis 1742 zum Königreich Böhmen gehörte, in welches der Gebirgskessel in seiner markanten geographischen Rechteckform tief hineinreicht. Nach den Aufzeichnungen des böhmischen Chronisten Cosmas von Prag besaß schon der 981 verstorbene böhmische Fürst Slavnik, Vater des hl. Adalbert, hier eine gegen Polen gerichtete Grenzfeste mit Namen "Cladsko", die damit der älteste bezeugte Ort Schlesiens wäre.
Die Gründung der deutschrechtlichen Stadt erfolgte Ende
des 13. Jahrhunderts, und die Besiedlung geschah zum Teil aus der Markgrafschaft
Meißen in Sachsen. Diese Stadt Glatz ist 1275 durch Nennung von Vogt und Bürgern
urkundlich nachgewiesen. Die planmäßige Stadtanlage entstand im Schutz
des Schloßberges am linken Neisse-Ufer. 1334 erwarb die Stadt die Vogtei und
die eigene Gerichtsbarkeit. Die herausragende Stellung der Stadt der Tuchmacher
ergibt sich daraus, daß ihr bis ins 15. Jahrhundert alle übrigen Städte
des Glatzer Landes abgabenmäßig unterstellt waren. Im 13. und 14. Jahrhundert
war die Stadt mehrfach an die Breslauer Piastenherzöge verpfändet, verblieb
aber bis zum Frieden von Breslau 1742 beim Königreich Böhmen, gehörte
bis 1945 zum Erzbistum Prag und war katholisch. Sie wurde erst nach dem Waffenstillstand
vom 9. Mai 1945 von den Sowjets besetzt.
Das Rathaus Schon nach dem Brand des ersten Rathauses im Jahr 1366 entstand
1397 ein gemauerter Neubau. Eine Stadtansicht von F. B. Werner von 1737
zeigt das alte Rathaus als langgestreckten Renaissancebau mit einer Attika, auf
der Nordseite mit einem breiten Renaissance-Portal, darüber einem kleinen Balkon
für die Verkündigungen und, an der südlichen Außenwand gemauert,
die üblichen Krambuden. Leider blieben von diesem Bauwerk bis zu seinem Niederbrennen
im Jahr 1886 nur wenige Kunstformen aus dem Mittelalter erhalten. Davon konnten
in den Neubau, der 1887-90 entstand, einige Türen, eine davon mit der Jahresangabe
1549, übernommen werden.
Ebenso markant sind auch der Löwenbrunnen von 1700 mit dem Wappentier des Königreichs Böhmen und die hochaufragende Mariensäule. Sie wurde nach der Pest-Epidemie von 1680 von Hans Adam Beyerhoff Vorbild der Mariensäule auf dem Prager Altstädter Ring gefertigt und soll an die 1.500 Toten der Stadt erinnern. Das Denkmal erhebt sich über einem siebenstufigen Podest. Rund um die fünf Meter hohe Säule gruppieren sich die Schutzengel der Stadt, Erzengel Gabriel, die Heiligen Josef und Florian. Auf den Ecken des steinernen Geländers halten die Pestheiligen Franz Xaver, Karl Borromäus, Rochus und Sebastian Wacht.
|
|
Der vorstehende Beitrag stammt aus dem kürzlich neu erschienenen Band: Heinrich Trierenberg 176 Seiten; 19,90 EUR |
|
mit freundlicher Genehmigung des Senfkorn-Verlages übernommen |
|
Weitere Historische Bilder
aus der Kreisstadt Glatz finden Sie in der Rubrik: |
Nähere Informationen über diese Internetseite erhalten Sie von Dipl.-Ing. Christian Drescher per Kontakt-Formular
© 2003 by Dipl.-Ing. Christian Drescher, Wendeburg-Zweidorf, Kontakt: Feedback-Formular.
Erste Version vom 25.12.2003, letzte Aktualisierung am 25.12.2003.